Der Vierthälermarkt zu Bacharach – Geschichte trifft auf Rheinromantik

Das alte Haus in Bacharach

Das alte Haus in Bacharach

Genau zwischen Bingen und Koblenz an der romantisch gelegenen B9 direkt am Rhein liegt Bacharach. Das urige kleine Städtchen ist mit seinen vielen Fachwerkhäusern, Weingärten und umliegenden Burgen Teil vom Welterbe Kulturlandschaft oberes Mittelrheintal. Das »Alte Haus« ist, das älteste Gebäude Bacharachs. Im Jahr 1368 erbaut, beherbergt es heute eine Weinstube. Hoch über der Stadt thront auf einem Hügel die Burg Stahleck, in der eine Jugendherberge einquartiert ist.
Das Rheinstädtchen bot am vergangenen verlängerten Himmelfahrtswochenende die Kulisse für den Vierthälermarkt. Der Name des Marktes begründet sich im Mittelalter. Thal bezeichnete früher ein Dorf oder mehrere Dörfer, die zur Stadt erhoben wurden. Die vier Thale sind ein Zusammenschluss der Orte Bacharach, Dippach, Stege und Mannebach. Als Stadt hatte man das Recht einen Markt abzuhalten. Der Name Vierthälermarkt allerdings wird erstmals im Zusammenhang mit dem hier seit 2007 regelmäßig alle zwei Jahre stattfindenden Mittelaltermarkt erwähnt.
Drei Tage bekamen die Besucher der Rheinanlagen allerhand geboten. Erlesene Marktstände boten ihre Waren feil, von Tierfellen, über Seife für den mittelalterlichen Recken, bis zu keltischem Schmuck konnte man alles kaufen. Gewürzhändler brachten die nötige Schärfe zum Verkauf, Gewandschneider verkauften für lang und kurz modische Neuheiten der Szene. Für Speis und Trank waren Händler mit vielfältigem Angebot hergereist. Es gab Ritter am Spieß, Flammkuchen, sowie die obligatorischen Käsespätzle und Schupfnudeln. Das süße Mäulchen erfreute sich dagegen an französischen Pfannkuchen, getrockneten Früchten und gerösteten Nüssen. Die Taverne bot sowohl Befürwortern der geistlichen Tropfen als auch Liebhabern nichtalkoholischer Getränke ein breites Auswahlspektrum an.
Das musikalische Programm war für einen verhältnismäßig kleinen Markt hochkarätig. Die Gruppe »Heiter bis Folkig« spielt zum vierten Mal auf dem Vierthälermarkt auf. Die Spielleute haben ein großes Reportoire. Von mittelalterlicher Marktmusik, bis Irish Folk bekommt der Zuschauer Unterhaltung und Kurzweil der Extraklasse geboten.

Albrecht der Taktvolle von "Heiter bis folkig"

Albrecht der Taktvolle von “Heiter bis folkig”

Neben instrumentalem Können bietet die Band auch humorvolles Geplänkel rund um das Mittelalter. Gründungsmitglied Romulus vom Wolfenblut (Christian Reiter) stammt aus Bacharach und war führend an der Organisation des Marktes beteiligt.
Des Weiteren spielten »Die Irrlichter« auf. Das Spielfrauenquartett ist seit einigen Jahren eine konstante Größe im Bereich Mittelalter- und Marktmusik. Mit den Klängen ihrer altertümlich anmutenden Instrumente verzauberten sie das Publikum. Groß und Klein lauschten oder bewegten sich im Takt der zauberhaft dargebrachten Melodien.
Die Spielleut Ranunculus brachten gute Laune nach Bacharach durch ihre tanzbaren mittelalterlichen Weisen. Die acht Musiker aus dem Tal der Loreley fesselten die Gäste mit ihrer einmaligen Darbietung. Außerdem schafften mehrere auf dem Gelände spielende Barden und Künstler ein authentisches Ambiente.
Auch Kinder und jung Gebliebende kamen nicht zu kurz. Der Gaukler Willis mit seiner Assistentin hatten einige Tricks auf Lager, die das Publikum zum Staunen brachten. Jonglage und Theaterdarbietungen faszinierten die kleineren Zuschauer und ebenso gut kam die Feuershow an. Die orientalische Tanzgruppe »Baghira« zeigte Bauchtanzvorführungen zu Dudelsackklängen. Die Besonderheit in dieser Gruppe: nicht nur Frauen tanzten hier, sondern ein Mann bewegte sich genauso gekonnt mit Hüfte und Körper.
Verschiedenste Lagergruppen schlugen rund um den Markt ihr Lager auf und sorgten so für Stimmung. Da brodelten in Gusseisenkesseln die Frühstückseier, an Holzgestellen hängen Räucherschinken, Wurst und Speck. Die Lagernden versorgen sich selbst, sie sind nicht auf die Marktstände angewiesen.

Lagerleben mit Hundezelt

Lagerleben mit Hundezelt

Jede Zeltform ist vertreten, sogar der Wachhund bekommt eine eigene Überdachung. Selbstgebaute Tische und Bänke werden mit Fellen bedeckt, um vor Kälte zu schützen. Gezimmerte Betten, mit Stroh ausgefüllt, bieten ein Nachtlager.
Ein aufregender Tag neigt sich dem Ende zu. Der Vierthälermarkt war die lange Anreise allemal wert. Das Wetter war an allen Tagen durchwachsen und Sonne und Regen boten sich einen unaufhörlichen Kampf. Doch die Witterung konnte meinen stimmungsvollen Eindrücken nicht trotzen. In zwei Jahren wird man mich, die Sonne und möglicherweise auch den Regen wieder in Bacharach finden.