Eindeutig zweideutig – Versengold!

«Im Namen des Folkes gibst jetzt auf die Ohren, im Namen des Folkes wird hier musiziert«. Laut erschallt der Refrain des Titelsongs vom neuen Album der Band »Versengold«. Vor der Bühne herrscht mindestens genauso ausgelassene Stimmung wie dahinter. Das Quintett versteht sich darauf, das Publikum bis zum Maximum anzuheizen. Immer wieder wird die Menge in das Bühnenprogramm eingebunden. Spaß und Gute Laune sind hier so präsent, wie Bayern München in der Ersten Bundesliga.

Die Eventhalle Westpark in Ingolstadt ist eine von wenigen Locations, die im Rahmen der Clubtour von »Versengold« befolkt wird. Der Schreibfehler repräsentiert die gewollte Zweideutigkeit des Wortes Volk und Folk. Die Zuhörer sind das Volk, die mit Folk oder deutlicher gesagt Mittelalterfolk bespaßt werden. Doppeldeutigkeit ist ein sprachliches Markenzeichen der Band. Nicht nur im Bandnamen und auf der aktuellen Scheibe kann man verschiedenste Wortspielereien hören, sondern auch in älteren Stücken ist dieser frech-frivole Stil die Sahnehaube auf der Schwarzwälder Kirschtorte.

Die ausschließlich männliche Gruppe um den Sänger Snorre Snoerkelfrey existiert schon einige Zeit, die Besetzung und das reine Männerquintett allerdings gibt es erst seit ungefähr zwei Jahren. In ihren Liedern singen sie hauptsächlich von Adel, Klerus und Normalsterblichen sowie Räubern und Halunken. Das Album »Im Namen des Folkes« ist das zweite Werk, das die aus Bremen und Umgebung stammenden Musiker gemeinsam einspielten. Die Kritiken für die neue CD sind durchweg sehr gut ausgefallen. Und auch live kann die Gruppe überzeugen.

Paule das Brett, der Gitarrist von »Versengold« spielt, als wäre er mit der Klampfe in der Hand geboren worden. Der Bodhrán Spieler Pinto von Frohsinn gibt auf der Bühne alles und verausgabt sich total. Ebenso die beiden Geiger Honza Sturmgemuet und Hengest der Lange sind mit vollem Einsatz dabei. Hengest spielt neben der Violine auch die Nyckelharpa, oder Schlüsselgeige genannt. Das Zusammenspiel des Spielmannsquintetts ist harmonisch, beeindruckend und stimmungsvoll.

Als der Klassiker »Ich und ein Fass voller Wein« ertönt, schwinden die Berührungsängste des Publikums, jeder greift seinen Nachbarn und es wird mitgeschunkelt. Hier zeigen die Ingolstädter, was sie ihren norddeutschen Gästen voraushaben, denn das Schunkeln gehört zu Bayern, wie die Weißwurst und die Lederhose. Sichtlich erstaunt über die Textsicherheit der Zuschauer stimmt Snorre Snoerkelfrey nach einem großen Part mit schnellen, tanzbaren Songs ein wenig ruhigere Klänge an. Die Ballade »Vom Zauber des Wildfräuleins« kommt gut an.

Die Zugabe »Das Bier ich in der rechten trug« erzählt die Geschichte eines Mannes, der nach einem freudigen Abend in der Schenke nach Hause wankt. Dabei stolpert er, versucht die holde Maid und ebenso die Pfeife, die er im Munde trägt aufzufangen, doch das läuft gründlich schief. Am Ende gelingt ihm keines davon und er geht frustriert seines Weges. Das Publikum spart auch hier nicht mit Zuneigungsbekundungen. Dieses Konzert war ein Erlebnis, das im Bereich »Mittelaltermusik« Seinesgleichen sucht. Denn »Versengold« treten neben den zuhauf präsenten Dudelsack Bands hervor. Sie überzeugen mit Natürlichkeit, selbst geschriebenen Texten und außergewöhnlichem musikalischem Talent.

Wer die Spielmänner noch nicht kennt, und wer nun neugierig geworden ist, kann auf »youtube« weitere Einblicke in das Schaffen der Band gewinnen. Auf www.versengold.de sind Konzerttermine, Infos und Merchandising einzusehen. Am Schluss ein Satz, der die Künstler trefflich beschreibt: »Doch als echter Spielmann, als echter Trunckenbold, zahlt ich, ja zahlt ich mit Versengold«.